Weihnachten ohne Alkohol. Von Vlada Mättig

W eihnachten zu verbringen, ohne dabei einen Schluck Alkohol zu trinken wäre für mich vor meiner Nüchternheit absolut undenkbar gewesen. Alkohol gehörte einfach mit dazu und ich hatte zudem an den Feiertagen jegliche Legitimation dafür, schon mittags mit einem Glas (bis mehreren Gläsern) Wein zu beginnen. Heiliger Abend, Gänsebraten mit der ganzen Familie, Weihnachtspartys mit Freunden – all das nüchtern zu überstehen erschien mir damals unmöglich. Heute, nach über zwei Jahren Nüchternheit, weiß ich, dass es machbar ist und dass die Weihnachtsfeiertage mit meiner Familie heute entspannter sind, als sie jemals zuvor waren (ausgenommen meiner Kindheitserinnerungen, da habe ich ja schließlich noch an den Weihnachtsmann geglaubt). Nicht, dass es in einer trinkenden Gesellschaft wie unserer schon schwer genug ist, sich immer wieder für die eigene Nüchternheit rechtfertigen zu müssen, weil „Sobriety“ eher exotisch als normal ist, doch gerade zu Weihnachten kann der Druck und die Anspannung steigen, sich permanent erklären zu müssen, sich immer wieder auf seine Entscheidung und seine Nüchternheit zu berufen und Standhaft zu bleiben und dabei auch noch ein besinnliches und fröhliches Fest zu feiern. Ich glaube für jede*n von uns, der/die sich vorgenommen hat zukünftig auf Alkohol zu verzichten, weiß, wie herausfordert diese Zeit im Jahr mitunter sein kann. Aus diesem Grund haben wir für Dich unsere Tipps zusammengetragen, wie das Weihnachtsfest ohne Alkohol gelingen kann, worauf Du besonders achten solltet und wie Du dabei dennoch entspannt bleibst.
Photo credit: Toa Heftiba/Unsplash
Fall Du zu besagten Weihnachtsfeiertagen ein Verlangen nach einem alkoholischen Getränk verspüren solltest, könntest du Dir zu allererst die Frage stellen, was eigentlich hinter dem Verlangen steckt, trinken zu wollen? Geht es um das Getränk an sich? Geht es um den Geschmack oder einzig und allein um die Wirkung des Alkohols (was meist der Fall ist), weil Du eine Situation als besonders stressig, oder herausfordernd empfindest? Dabei können tatsächlich sowohl negative als auch positive Empfindungen das Verlangen nach Alkohol auslösen, je nachdem, womit du Alkohol zuvor üblicherweise in Verbindung gebracht hast und in welchen Situationen und Gefühlslagen Du diesen zu dir genommen hast. Vor allem an den Weihnachtsfeiertagen sind wir meist auf den Effekt aus. Uns wird oftmals alles zu viel. Zu viel Familie, zu viel künstlich erzeugte gute Stimmung, zu viel Planung, zu viel Organisation, zu viel Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Von der besinnlichen Stimmung bleibt am Ende des Tages vielleicht nicht mehr viel übrig. Die Gesellschaft suggeriert uns zudem, dass Trinken = Leichtigkeit = Freude im Leben ist. Und Feierlichkeiten ohne Alkohol sind demnach nicht möglich und nicht auszuhalten, weil wir dadurch jegliche sozialen Kontakte und Freude im Leben verlieren würden. Aber so ist es nicht.
Photo credit: Elijah O’Donnell/Unsplash

16 Tipps, um alkoholfreie Weihnachten zu verbringen:

  • Du musst gar nichts!
Wir denken oftmals und vor allem an den Weihnachtsfeiertagen, dass wir alles organisieren und planen müssen, zahlreichen Verpflichtungen nachgehen müssen und zudem auch noch dafür sorgen müssen, dass es allen um uns herum gut geht und wir stets selbst auch bei guter Laune sind. Das musst Du aber nicht. Du hast immer die Wahl, Dinge anders zu gestalten und anders zu organisieren, als die Jahre zuvor. Falls Du zu einer Weihnachtsfeier eingeladen sein solltest, zu der Du gar nicht hingehen möchtest, dann bleib zu Hause, oder nimm Dir etwas anderes vor, worauf Du mehr Lust hast. Du darfst das! Du darfst auch genauso gut eine Reise buchen und für ein paar Tage in ein warmes Land fliegen. Die Weihnachtsfeiertage sind das, was Du daraus machst.
  • Hör auf deinen Körper!
Obwohl Weihnachten als besinnliche Zeit gilt, bleibt die Ruhe oftmals auf der Strecke. Viel zu sehr sind wir damit beschäftigt es allen recht machen zu wollen und dann bleibt die eigene Besinnlichkeit auf der Strecke. Wichtig ist, dass Du immer mal wieder in Dich selbst hinein hörst und Dich fragst, was Du in dem Moment brauchst? Wie fühlst Du dich? Bist Du müde? Worauf hast Du wirklich Lust? Welche Menschen möchtest Du um Dich haben?
  • Deine Entscheidung muss feststehen!
Noch bevor die Weihnachtsfeiertage beginnen, muss deine Entscheidung, nichts zu trinken, gefällt sein. Ohne Wenn und Aber und noch bevor Du dich ins Weihnachtsgetümmel stürzt, oder die Firmenweihnachtsfeier betrittst, denn ein vielleicht wird in 99 Prozent der Fälle zu einem Ja.
  • Sober Buddy.
Die Situation wird tatsächlich einfacher, wenn Du einen „Sober Buddy“ hast. Sprich, eine Person, die auch keinen Alkohol trinkt und Dich damit bewusst oder unbewusst unterstützt. Ich persönlich vergewissere mich bei jeglichen Anlässen und Feierlichkeiten immer, dass ich eine Person habe, die ebenfalls nichts trinkt. Das gibt mir immer ein Gefühl der Sicherheit.
  • Alkoholfreie Getränke.
Um zu vermeiden, dass Dir immer und immer wieder Alkohol angeboten wird, dir ein alkoholisches Getränk nachgeschenkt wird, oder Du ohne einem „fancy drink“ dastehst, kannst Du einfach selbst dafür sorgen, dass du etwas Schmackhaftes zu trinken hast, indem Du dir dein eigenes alkoholfreies Getränk mitbringst und stets ein gefülltes Glas in Deiner Hand hältst, um Fragen zu vermeiden.
  • Exit Plan.
Es ist vorab wichtig zu wissen, wann und wie Du gehst, wenn es Dir zu viel wird. Oftmals denken wir, dass wir unangenehme, oder angespannte Situationen aushalten müssen. Oder dass es sich nicht gehört, schon vor dem Abendbrot zu gehen, weil uns Menschen, oder der Alkohol, der getrunken wird, zu viel werden. Du darfst immer gehen! Egal wann. Es ist deine Entscheidung. Du solltest Dir vorher gut überlegen, ob und wie Du es kommunizierst und wie Du letztendlich nach Hause kommst. Manchmal reicht es auch schon eine Runde um den Block zu gehen und frische Luft zu schnappen, damit sich das Gemüt beruhigt. Manchmal aber nicht. Also überlege Dir vorher ganz genau, wie Du die Location, oder das Familienzusammentreffen im Zweifel verlassen kannst.
Photo credit: Katie Treadway/Unsplash
  • Sei auf Fragen vorbereitet.
Wenn trinkende Menschen auf nichttrinkende Menschen stoßen, dann werden oftmals Fragen gestellt. Diese müssen nicht immer unangenehm sein, aber dennoch solltest Du im besten Falle mögliche Antworten schon parat haben. Oftmals wollen sich Alkohol trinkende Menschen vergewissern, ob ihr Trinkverhalten noch normal ist. Wenn Du keine Lust hast zu antworten und lang und breite Geschichten zu erzählen, weswegen Du keinen Alkohol trinkst, dann reicht ein Einfaches: „Es tut mir nicht gut.“ „Ich muss morgen früh raus.“ „Ich nehme Medikamente.“ (Flunkern ist in diesem Falle erlaubt!) „Mir ist nicht danach.“
  • No trouble, please!
Familien sind wundervoll, aber Familien können im selben Moment auch anstrengend sein und Probleme mit sich bringen. Wir kennen das alle, vor allem in der Weihnachtszeit. In diesem Fall sei Dir gesagt: Du und deine Nüchternheit, ihr steht auf Platz Nummer 1 und habt absolute Priorität. Bleib also fern von Streitigkeiten oder habe einen „action plan“ parat. Du darfst Deine Gefühle und Bedürfnisse äußern und Du darfst auch sagen, wenn dir Situationen zu viel und/oder anstrengend sind.
  • Machen.
Zudem ist es sehr hilfreich, sich immer in Bewegung zu halten und sich zu beschäftigen. Wenn Dir also nicht danach ist, mit Alkohol trinkenden Menschen an einem Tisch zu sitzen, dann kannst Du ganz einfach deine Hilfe anbieten und den Tisch abräumen, Dich um die Deko, oder um die Kinder kümmern und Weihnachten nochmal durch Kinderaugen erleben. Das bewahrt Dich vor Momenten, die Dich triggern könnten.
  • Nicht alle werden dich und deine Nüchternheit verstehen.
Es kann durchaus passieren, dass deine Mitmenschen nicht verstehen werden, weswegen Du keinen Alkohol mehr trinkst. Sprüche wie: „Ein Schluck geht doch.“ oder „Ein Glas hat noch niemandem geschadet.“ sind dabei leider keine Seltenheit. Es kann durchaus auch sein, dass Familienangehörige deinen Entschluss, nichts mehr zu trinken, nicht nachvollziehen können aber das müssen sie auch nicht und Du musst dich auf keine Diskussion einlassen. Deine Entscheidung steht fest. Punkt!
  • Hotelzimmer
Das mag jetzt vielleicht etwas verwunderlich klingen, aber wenn Dir der ganze Weihnachts- und Familienkram zu anstrengend ist und Du einfach auch eine Ausweichmöglichkeit haben möchtest, um Zeit für Dich zu haben, dann ist es durchaus legitim ein Hotelzimmer zu buchen und nicht bei Papa und Mama zu übernachten, denn so sehr wir sie lieben, wir wissen wie es sein kann, wenn Familie auf engstem Raum zusammentrifft.
  • You can do it!
Bleib‘ stark! Es lohnt sich. Vielleicht wird es nicht immer alles einfach und entspannt sein, aber Du allein weißt, weswegen Du das machst und weswegen Du nüchtern bleiben möchtest. Du weißt, dass nichts Gutes folgen wird, sobald Du den ersten Schluck getrunken hast. Halte Dir das vor Augen. Du schaffst das! Oder anders betrachtet, kannst Du dir auch vor Augen führen, warum Du nüchtern bleiben möchtest. Zähle alle Gründe auf und halte sie dir vor Augen: keinen Kater, keine depressive Verstimmung, keine Nervosität, keine Angstzustände.
  • Rountine.
Achte auf Dich und behalte deine gewohnte Routine bei, auch wenn soeben Weihnachtsfeiertage sind. Tu, was Dir guttut und was Dir auch sonst dabei hilft, nüchtern zu bleiben. Behalte deine übliche Meditations – und Yogapraxis, Morgenroutine, oder was auch immer Dir bis hierher geholfen hat, bei. Nur, weil Du Zeit mit deiner Familie verbringst heißt das noch lange nicht, dass Du dir keine Zeit für Dich und deine Routine nehmen darfst!)
  • Stell dir die Frage.
Stell Dir ehrlich die Frage, wie Alkohol die Situation verändern würde? Würde die Party besser werden? Würde die Familie erträglicher sein? Würdest Du dir damit etwas Gutes tun? Spiel das Szenario gedanklich bis zum Schluss durch.
  • Firmenweihnachtsfeier.
Falls Du beispielsweise die Firmenweihnachtsfeier nicht absagen kannst, aber Du an und für sich keine Lust hast daran teilzunehmen, hast Du dennoch die Möglichkeit spät auf der Veranstaltung zu erscheinen und zeitig wieder zu gehen. Du schaust quasi einfach nur vorbei.
  • Traditionen dürfen geändert werden.
Wenn in deiner Familie vorher üblich war Weihnachtspunsch zu trinken und daraufhin den Weihnachtsbaum zu dekorieren, dann kannst Du diese Tradition auch ändern. Du musst Dinge nicht tun, nur weil sie schon immer so gemacht wurden. Du und deine Nüchternheit, ihr habt Priorität Nummer eins. Falls Du dir dennoch die Frage stellen solltest, wie du die Feiertage ohne Alkohol fröhlich und entspannt verbringen kannst, dann solltest Du dir im selben Zuge die Frage stellen, ob die Feiertage mit Alkohol tatsächlich fröhlich und entspannt waren? Der einfachste Tipp für die kommenden Weihnachtsfeiertage ist, dass Du diese Tage einfach so behandelst, als wären sie stinknormale Tage. Was tust du sonst, welchen Aktivitäten gehst du nach und was hilft dir an jedem anderen Tag des Jahres nüchtern zu bleiben? In diesem Sinne wünschen wir Dir eine besinnliche Zeit mit deiner Familie. You can do it!
Photo credit: Rosie Kerr/Unsplash

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