Kundalini Yoga nüchtern betrachtet Sobriety Yoga Yoga meets Sobriety

Kundalini

Genauso wenig wie ich gedacht habe, dass ich einmal nüchtern leben werde, hätte ich auch nicht gedacht, dass ich einmal eine Ausbildung zur Yogalehrerin machen werde. Ich erfülle hiermit alle meine damaligen Klischees eines langweiligen Lebens. Nur mit dem Unterschied, dass sich mein Leben heute um einiges erfüllter anfühlt und ich an einer Hand abzählen kann, wie oft ich das Wort Langeweile seit meiner Nüchternheit in meinen Mund genommen habe.

Ich komme ursprünglich aus der VinyasaYoga-Ecke. Ich würde aber nicht von mir behaupten, dass ich vor noch gut zwei Jahren regelmäßig und vor allem durchgängig Yoga praktiziert hätte. Zumal ich meine damalige Yogapraxis eher als Fitnesseinheit gesehen habe. Hatte ich danach keinen Muskelkater am ganzen Körper, war es keine „gute“ Einheit. Das erste Mal habe ich mit Mitte 20, während meines Studiums in Leipzig, eine Yogaklasse besucht. Danach immer mal wieder. Mal mehr, mal weniger. Kundalini Yoga war mir bis vor zwei Jahren nicht wirklich bekannt.

Früher, als ich noch getrunken habe, habe ich sogar Yoga gemacht, während ich getrunken habe. Oder habe ich getrunken, während ich „praktiziert“ habe? Auf jeden Fall habe ich alles andere als einen yogischen Lebensstil geführt. Der schien mir damals eher langweilig. Auch heute noch möchte ich nicht unbedingt behaupten, dass meine Lebensführung ultra yogisch wäre. Aber sie ist auf alle Fälle um einiges gesünder und ich bin damit so unfassbar viel entspannter.

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Wie einige von euch sicherlich auf meinem Blog HerzSuchtFluss gelesen haben, kannte ich vor meiner Nüchternheit die Sobriety-Szene überhaupt nicht. Irgendwann habe ich die Blogartikel von Holly Whitaker gefunden und einen nach dem anderen verschlungen. Und Holly schrieb immer wieder von dieser Art des Yoga. Ich war skeptisch, aber nichtsdestotrotz wollte ich genau das für mich ausprobieren. Also meldete ich mich bei glo.com an und praktizierte dort mit Kia Miller. Die liebte ich zwar sofort, nur die Übungen brachten mich sowohl an den Rand der Verzweiflung als auch an meine mentalen Grenzen. Was zur Hölle sollen die Bewegungen? Und warum immer wieder hintereinander mit dieser Atmung? Und warum um alles in der Welt brüllt mich mein Ego so laut an, dass ich kaum einen klaren Gedanken fassen kann, während ich meine Arme drei Minuten lang im Schneidersitz sitzend über meinen Kopf halte und ausatmend in schnellen Bewegungen meinen Bauchnabel nach innen und außen bewege. Ich war so unendlich genervt von den einzelnen Übungen und mitunter hat meine Ratio die teilweise absurden Positionen und Haltungen nicht nur nicht verstanden, sondern sie eher belächelt … ABER in mir passierte ein kleines Wunder. Denn jedes Mal nach einer Übungsreihe fühlte ich mich frei. Ich kann mit Worten schwer beschreiben, was mit mir passierte, denn darum geht es letztendlich gar nicht. Du musst es fühlen. Und ich wollte mehr davon. Ich setzte mich also jeden Tag auf meine Matte und praktizierte. Kein anderes Üben, das ich jemals ausprobiert hätte, lies mich so empfinden wie nach einer KundaliniYoga-Einheit. Ich glaube, mit dieser Yoga Art läuft es folgendermaßen ab: Entweder du hasst es oder du belächelst es und bleibst kleben. Ich bin kleben geblieben. Ich war nie ein entspannter Mensch. Ein kleines Wort hätte bei mir früher innerlich einen mittelschweren Vulkanausbruch ausgelöst. Heute kann ich in Situationen, in denen ich früher komplett ausgerastet wäre, ruhig bleiben.

„Kundalini Yoga gave me me.” – Kundalini Yoga schenkte mir mich selbst.

sagt meine momentane Ausbilderin Panch Nishan so schön.

Und genauso fühlt es sich für mich an. Ich lerne immer mehr, ich selbst zu sein und die Grenzen meines Egos zu sprengen. Mein Nervensystem lernt, sich zu entspannen. Ich kann 31 Minuten lang Feueratmung praktizieren und meine Arme minutenlang über meinen Kopf halten, denn ich habe gelernt, mir selbst und meinem Körper zu vertrauen und durch den Widerstand zu atmen. Ich darf bleiben, auch wenn es unangenehm wird, und ich darf lernen, dass ich genau das auch aushalten kann. Ich muss nur atmen.

Kia Miller benutzte während meiner Ausbildung bei ihr immer ein sehr kraftvolles Mantra, wenn wir einmal wieder über unsere mentalen Grenzen hinausgingen: „I can, I will, I must!“ – Ich kann, ich will, ich muss. Und nichts und niemand kann mich daran hindern. Nur ich selbst stecke meine mentalen Grenzen ab und nur ich selbst kann mich dafür entscheiden, über mich selbst hinauszuwachsen. Kundalini Yoga kann ich nicht erklären, denn du musst es fühlen. Im ersten Moment fühlt es sich tatsächlich so an wie die ersten Tage meiner Nüchternheit: Ich will einfach nur schreien und davonlaufen. Aber wenn du bleibst und weiter machst und genau das überwindest, kehrt plötzlich eine unendliche Ruhe ein. Und somit lerne ich, dem Prozess zu vertrauen. Meinem Körper zu vertrauen, meinem Geist zu vertrauen. Und das Spannende, absolut Spannende ist, dass deine Gedanken und dein Ego zuerst sagen, dass du aufgeben sollst, obwohl dein Körper eigentlich viel, viel stärker ist. Deswegen schulen wir in der Praxis unter anderem auch unseren Geist. Wir bleiben sitzen, atmen weiter, halten die Arme über dem Kopf und lassen uns anbrüllen und mit der Zeit werden wir innerlich immer ruhiger. Wir lernen dabei, uns selbst zu überwinden, Stress hinter uns zu lassen, durch unsere Ängste hindurchzugehen und sogar eine Craving-Welle zu „reiten“, wie man so schön sagt. Denn selbst wenn du dich selbst triggerst, lernst du dabei, einfach zu bleiben und zu atmen. Wie mit der Nüchternheit fühlt es sich zunächst einmal anstrengend und, auf Deutsch gesagt, scheiße an bevor es richtig geil wird.

Kundal bedeutet zusammengerollt. Kunda bedeutet unter anderem ein tieferer Ort, eine Grube. Laut den yogischen Lehren symbolisiert Kundalini das Bild einer Schlange, die dreieinhalb Mal zusammengerollt am unteren Ende deiner Wirbelsäule liegt. Kundalini ist die pure Energie oder Urkraft. Erweckst du Kundalini, erweckst du dein unendliches kreatives und spirituelles Potenzial, welches in dir schlummert. Es ist die Energie, die uns dazu verhilft, unsere Wahrheit zu sprechen und ein höheres Bewusstsein zu erlangen, und das uns voll und ganz entfalten und damit anderen und der Welt dienen lässt. Die Praxis des Kundalini Yoga soll dir dabei helfen, dich vom niederen in ein höheres Bewusstsein zu bewegen und dich vor allem von deinen Abhängigkeiten zu lösen.

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Dabei nutzen wir unterschiedliche körpereigene „Hilfsmittel“.

Pranayama / Prana nennen wir die Atemtechniken, die wir im Kundalini Yoga anwenden. Prana bedeutet soviel wie die Lebensenergie, die wir unter anderem über unseren Atem steuern können. Prana ist überall vorhanden. Durch die Harmonisierung von Prana harmonisieren wir unter anderem auch unser Nervensystem und unseren Körper.

Innere Kraft / Geist ist es, dem DU eine Richtung vorgibst. Es geht bei den Übungen nicht darum, deinen machtvollen Geist, deine Gedanken zu unterdrücken, sondern sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Der Weg, den sich diese Energie bahnt, verläuft durch den zentralen Kanal „Shushumna“, welcher entlang der Wirbelsäule verläuft. Deswegen haben wir im Kundalini Yoga häufig wiederkehrende Bewegungen mit der Wirbelsäule, dem unteren Rücken und Beckenboden.

Mudra bezeichnet die Position deiner Hände oder deines Körpers, welche psychische / mentale Veränderungen in dir hervorrufen können.

Mantra sind letztendlich Klangcodes. Sat Nam beispielsweise bedeutet „Wahrheit ist meine Identität.„, Sa Ta Na Ma bedeutet Unendlichkeit – Leben – Tod – Wiedergeburt, Wahe Guru ist die unfassbare Erleuchtung. Diese Mantras haben ganz spezifische Wirkung auf unser Drüsen- und Nervensystem, auf unsere Psyche und unseren gesamten Körper. Beim Rezitieren aktiviert die Zunge die 84 Meridiane am Gaumen, was chemische Prozesse in unserem Gehirn ausgleicht.

Bandha nennen wir die energetischen Verschlüsse, die den internen Energiefluss steuern. Am häufigsten nutzen wir in der Kundalini Yoga Praxis den Wurzelverschluss, welcher unser Wurzelchakra stimuliert und energetisch ins Gleichgewicht bringt. Unser Wurzelchakra steht unter anderem für unsere „Grundbedürfnisse“ und vor allem für Sicherheit und dem Gefühl von „richtig sein“ auf dieser Erde.

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Diese unterschiedlichen Techniken werden in einer Kriya (Übungsfolge), die nach einer bestimmten Reihenfolge und Zeit abgehandelt wird, miteinander kombiniert. Die Kundalini Yoga Praxis ist also eine Kombination aus Meditation, Mantra, körperlichen Übungen und Atemtechniken. Diese einzelnen Übungselemente werden so aufeinander abgestimmt, dass sie unsere unterschiedlichen Körpersysteme stärken und ausgleichen und dabei emotionale Blockaden und Anspannung lösen. Die Praxis dient letztendlich als Tor zu deiner Wahrheit und tieferer Verbundenheit mit dir und dem Leben. Kundalini Yoga kann dir dabei helfen, mit mehr Lebensenergie und Vitalität durch dein Leben zu gehen, Ängste zu überwinden und Konflikte zu lösen. Es kann dich darin unterstützen, Depressionen vorzubeugen und alte Konditionierungen aufzulösen. Durch die Übungen entsteht langsam eine Harmonisierung und Synchronisierung unseres Körpers, unserer Psyche und unseres Geistes.

Ich kann dir nicht sagen, was Kundalini Yoga für mich getan hat, ich kann dir letztendlich nur dabei helfen, es selbst zu fühlen. Falls du gerne mehr Praktisches über Kundalini erfahren möchtest, dann möchte ich dir ganz besonders unseren 8-Wochen-Kurs „Sobriety meets Kundalini“ ans Herz legen, der zum ersten Mal ab Mai 2021 startet. Dabei werden wir an der Wurzel deines Körpers beginnen und uns von dort aus bis über die Krone deines Kopfes hinaus in ein nüchternes und freies Sein katapultieren.

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