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Ich und meine Nüchternheit

Seit Tagen, vielleicht aber sogar schon seit ein paar Wochen laufe ich mit dieser Schwere in meiner Brust herum. Eigentlich trifft es „Schwere“ auch nicht so ganz. Ganz still und heimlich schleppe ich dieses Gefühl mit mir herum. Es fühlt sich so an, als hängt da etwas fest. Im Brustkorb, im Hals. Fast schon so, als müsste ich einmal brüllen, schreien, heulen. Kennst du das? Es ist warm, unangenehm warm und brennt. Dieses Gefühl zieht sich bis in meine Gurgel. Dieses Gefühl kenne ich so eigentlich gar nicht von mir. Ich liebe die Leichtigkeit und die Freiheit, aber zwischen all den Strategien und großen Plänen, der Struktur und dem „das muss so und so sein“ ist meine eigene Leichtigkeit erstickt. Ich wollte aber eigentlich nur meine eigenen Ängste ersticken. Die Angst vor dem Alleinsein, die Angst vor dem Geld, oder kein Geld haben, die Angst vor der Meinung anderer Menschen. Die Angst vor den eigenen Glaubenssätzen.

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Hatte ich vor ein paar Monaten noch Schwierigkeiten beim Ausatmen (Loslassen), habe ich nun Schwierigkeiten beim Einatmen (Aufnehmen). Und ich habe ein wenig gezögert, diesen Text zu schreiben, aber ich werde diesen Text schreiben, weil ich mehr ich sein will und weil ich nicht darüber nachdenken möchte, was andere Menschen über mich denken werden. Denn ich kann nicht denken, was andere denken. Warum versuchen wir genau das so oft? Weil es so gut von uns selbst ablenkt.
Weil ich die Arbeit mache, die ich eben mache, bin ich letztendlich auch nur ein Mensch. Ich bin nicht anders, ich habe auch meine Themen und vor allem konnte ich noch nie so tun, als wäre alles ok, wenn irgendetwas momentan nicht ok ist.

Die Vorstellung davon, momentan in einem Ashram zu leben, fühlt sich leicht an. Leichtigkeit ist das Stichwort. Leichtigkeit ist das, was mir fehlt. Ich liebe es, zu schreiben, und habe es in den letzten Monaten viel zu selten getan. Ein halbes Manuskript habe ich innerhalb von einem Monat in die Tastatur gehämmert, aber meinem Herzen war das viel zu schnell. Jetzt wird der Text im September veröffentlicht, aber meine Seele möchte noch so viel mehr sagen. Ich liebe es, Yoga zu unterrichten und Yoga zu praktizieren, und ich wünschte, ich hätte viel mehr Zeit dafür. Ich werde mir meinen eigenen Wunsch erfüllen.
Ich habe das Gefühl, als hätte ich mich die letzten Monate abgelenkt. Obwohl, abgelenkt trifft es vielleicht nicht ganz auf den Punkt. Ich bin gesprintet, obwohl ich für einen Marathon angetreten bin und jetzt merke ich, wie mir die Puste ausgeht. Mich ärgert es, dass ich mich tagtäglich mit so vielen Dingen beschäftige, die mir gefühlt die Zeit rauben, mich mit den Dingen zu beschäftigen, die mir wirklich am Herzen liegen. Menschen auf ihrem Weg in die Nüchternheit zu begleiten, schreiben, lesen, Yoga, ich selbst.

Alles war vollgepackt mit Strategien. In einem Business solltest du dies und jenes tun. So oder so verkaufen, dies oder jenes tun. Aber so bin ich gar nicht. Ich beschäftige mich mit einer GbR Auflösung und kriege ganz nebenbei das Kotzen. Eigentlich will ich Dinge tun, die ich liebe. Aber warum bleibt mir manchmal genau dafür keine Zeit mehr?

Das Universum, oder das Leben – du kannst es nennen, wie du möchtest – setzt alles auf Null. Das ist wohl ein Zeichen dafür, dass ich anhalten darf. Ich atme tief ein und halte die Luft an. Ich spüre die Fülle in mir. Ich beschließe, von nun an viel öfter einzuatmen, zu halten und mich selbst auf Null zu setzen, denn wenn ich so weiter renne, dann laufe ich irgendwann gegen eine Wand. Und Urvertrauen. Urvertrauen ist mein Stichwort. Das Vertrauen darin, dass alles gut wird und das ich auf dem richtigen Weg bin und das ich nicht alleine bin und das ich durch meine Ängste durchgehen darf. Practice what you preach. Das ist mir wichtig.

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Ich bin mit so viel Power losgerannt und wollte die ganze Welt. Ich dachte, dass ich das alles halten kann. Ich kann so vieles halten, aber in erster Linie darf ich mich selbst halten. Meine Visionen sind nach und nach in Erfüllung gegangen. Ich wollte die Pace halten und immer höher, immer weiter und vor allem ganz, ganz schnell.

“My soul is my fucking strategy.” – habe ich soeben in einem Live Stream gehört. Das hört sich schön an. Ich darf auf meine Intuition vertrauen und diese sagt mir, dass ich ruhig sein darf. Ich darf auf meine Seele hören. Ich darf mich zurückziehen. Letztes Jahr habe ich ein Versprechen abgegeben, und zwar habe ich versprochen, dass ich erst aufhören darf, wenn es richtig geil ist. Und manchmal im Leben durchlaufen wir Phasen und diese Phasen fühlen sich zäh an. Dann drückt das Herz. Aber genau das möchte dann in dem Moment gehört werden. Ich zweifle nie an meiner Nüchternheit. Und genau das zeigen mir diese Phasen auch. Selbst in diesen Phasen entscheide ich mich für mich und meine Nüchternheit. Nicht für irgendjemand anderen, nicht für die Community, nicht für meine Arbeit, nicht für mesober. Einfach nur für mich, immer nur für mich. Und meine Nüchternheit sagt mir auch, dass ich nicht mehr sprinten brauche. Das ich auch einmal schlendern kann und den Wald und die Vögel beobachten darf. Die Schwäne, wie sie soeben auf dem Teich neben unserem Haus brüten und der Papa die Mama beschützt – komme, wer oder was wolle.

Und was wird das nun für mich bedeuten? Ich werde wieder mehr schreiben. Ich werde wieder mehr Zeit haben und mir diese ganz bewusst nehmen. Zeit für mich, Zeit für Yoga, Zeit zu unterrichten. Mich mehr darauf fokussieren, was wirklich wichtig ist, und das ist, Menschen auf ihrem Weg in ein nüchternes Leben zu begleiten. Und was bedeutet das noch? Nein zu Dingen zu sagen, bei denen ich nicht im Fluss bin. Die Energie wieder einsammeln, fokussieren. Mich von Träumen zu verabschieden, die später dran sein dürfen wie beispielsweise ein Summit, ein Retreat, noch mehr Projekte. Ich und meine Nüchternheit dürfen immer das wichtigste Projekt in meinem Leben sein.

1 thought on “Ich und meine Nüchternheit”

  1. Hallo Vlada,
    Danke für deine tolle Homepage und deine Offenheit! Ich bin am Anfang meiner Reise in ein neues nüchternes Leben 😃und sauge ganz viele Erfahrungsberichte von denen auf, die es geschafft haben.

    Da ich Alkohol eigentlich immer nur benutzt habe, um ganz andere Bedürfnisse zu befriedigen, möchte ich jetzt neue Routinen schaffen. Dazu habe ich mir ein „Bedürfnis – Karten“ Set gebastelt. Falls mich ein Bedürfnis überkommt, das ich früher mit Alkohol gestillt habe, greife ich mir nun die Karten, um leichter herauszufinden was ich gerade brauche.
    Auf die Rückseite der Karten habe ich neue Strategien geschrieben, die mir helfen, das Bedürfnis ohne Alkohol zu erfüllen.
    Ich bin gespannt und freue mich auf das f***sober Leben in echten Farben! 🥳
    Viele Grüße
    Jane

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