Kommentare 0

Das hässliche Entlein

Klein, leer, grau, kein Selbstbewusstsein. Wer bin ich schon?

Wie würdest du deine Beziehung zu dir selbst beschreiben?

Klein, leer, grau, kein Selbstbewusstsein. Wer bin ich schon?

trinkendes Ich

Wenn ich diesen bezaubernden Menschen in die Augen schaue und ihre Worte höre, dann kann ich meist nicht glauben, dass sie all diese Worte wählen, um sich selbst zu beschreiben.

Siehst du denn nicht, wie schön du bist? Hast du schon einmal in den Spiegel geschaut und damit meine ich, dich wirklich angeschaut? Siehst du wirklich nicht, was ich sehe? An dir ist nämlich wirklich alles richtig!

Und dann sehe ich mein trinkendes Ich vor mir sitzen. Ich sehe mich, wie ich mir selbst vor ein paar Jahren gegenübersitze und ich stelle mir dieselbe Frage:

Wie würdest Du deine Beziehung zu Dir selbst beschreiben?

Ich weiß nicht, wer ich bin. Ich fühle mich klein, ich habe Angst. Ich habe Angst vor dem Leben. Eigentlich habe ich viele Träume, aber ich traue mir meine eigenen Träume nicht zu, weil ich scheitern könnte. Und weil ich nicht scheitern möchte, fange ich gar nicht erst mit träumen an. Dann kann mir nichts passieren. Dann bleibe ich lieber ganz klein und grau. Ich schaue den Menschen hinterher, die es geschafft haben. Die etwas in ihrem Leben geschafft haben. Die erfolgreich sind und hip und cool und angesagt und ich versuche mit der Menge mitzuschwimmen, habe aber das dumme Gefühl, dass ich nicht dazugehöre. Ich bin irgendwie anders. Ich sehe anders aus, ich fühle mich anders. Bin ich eine Mogelpackung? Bin ich „second hand“? Warum fühle ich mich so?

photo credits: unsplash

Weil ich mich nicht so fühlen will, versuche ich dieses Gefühl zu betäuben. Ich spüle es meine Kehle hinunter. Dann ist es für ein paar Momente/Stunden weg. Es bleibt dieses dumpfe Gefühl in meiner Herzgegend.

Märchenstunde

In der Klinik wurde ich während einer Therapieeinheit einmal gefragt, was mein Lieblingsmärchen ist. Daraufhin sollte ich erklären, warum genau dieses Märchen mein Lieblingsmärchen sei und welchen Zusammenhang es zwischen diesem Märchen und meinem Leben gibt. Ich musste nicht lange darüber nachdenken und wählte „Das hässliche Entlein“.

Dieser Teil wurde aus dem Buch gestrichen, aber es ist meine Märchengeschichte und ich möchte meine Märchengeschichte erzählen! (Unser Buch „Rauschlos glücklich“ kannst du übrigens jetzt schon hier vorbestellen.)

Als ich so circa acht Jahre alt war, war mein kleiner Bruder so um die drei Jahre alt. Wir fuhren im Sommer 1992 mit unseren Eltern in einem dunkelgrünen VW Passat von Zittau nach Portugal in den Sommerurlaub. Die ganze Hinfahrt dauerte alles in allem drei lange, hitzige Tage, die wir stundenlang im Auto verbrachten. Damals gab es noch keine Klimaanlagen in den PKWs, beziehungsweise war unser Auto damals noch nicht mit einer Klimaanlage ausgestattet. Gefühlt waren es durchschnittlich also die meiste Zeit so um die 39°C im Auto und mein Bruder und ich saßen in Schlüpfern gekleidet bei offenem Fenster auf der Rückbank. Ich habe keine Ahnung, wie wir es gemeinsam bei dieser stundenlangen Autofahrt miteinander ausgehalten haben. Natürlich haben sich mein Bruder und ich oft gestritten. Fäuste flogen wie wild durch die Gegend, oder meinem Bruder war schlecht, oder irgendjemand anderem in unserem Auto war schlecht. Das Einzige, was uns in solchen Momenten ruhig stellen konnte war die Geschichte des hässlichen Entleins. Damals gab es noch Kassetten. Leider war es irgendwann so heiß in unserem Auto, dass selbst die Kassetten schmolzen. Ich kann mich noch so gut an diese Geschichte erinnern und als Kind habe ich mich oftmals gefragt, ob ich nicht eigentlich auch ein hässliches Entlein bin. Zumindest habe ich mich immer so, oder so ähnlich gefühlt. Mir wurde immer wieder bestätigt, dass ich hübsch bin, klug, gute Noten mit nach Hause bringe, musikalisch bin und all sowas. Aber ich habe mich nicht richtig gefühlt. Ich habe mich irgendwie immer anders gefühlt. Ich konnte aber auch nicht wirklich erklären, woher dieses „Anders“ kam und was anders eigentlich bedeuten sollte. Ich wusste nur, dass dieses Gefühl einfach da war. Anderer Name, andere Sprache. Ich hatte das Gefühl, dass ich eine viel größere Brotbüchse hatte, als alle anderen Kinder, aber das ich auch eine viel größere Brotbüchse brauchte, weil ich viel mehr Hunger hatte. Und da mir meine eigenen Schnitten (so nennen wir das hier in der Oberlausitz) nicht ausreichten, bekam ich die Mettwurstschnitten meiner Freundin am Nachmittag geschenkt. Erst letztens habe ich mich mit jemandem darüber unterhalten, dass der Schultag schon einigermaßen schlecht begann, wenn in der Brotbüchse Mandarinenstückchen und Schinkenschnitte nebeneinander liegend vorzufinden waren. Denn dann schmeckte die Schinkenschnitte nach Mandarine und das war ziemlich unlecker. Die Krönung war an diesem Tag dann, wenn es in der Frühstückspause auch noch Bananenmilch gab. Bäh! Dann war der Tag irgendwie anders als die anderen Tage. So, als würde einem die eigene Schlüpfer permanent in der Poritze klemmen, aber du kannst sie nicht rausfischen, weil das sonst alle anderen Kinder sehen würden.

Als Kind hatte ich eine Phase, in der ich mir vorstellte, ein anderes Mädchen zu sein. Zum Beispiel stellte ich mir vor, dass ich meine damalige Freundin Anne bin. Groß, schlank, glatte Haare, anderer Name. Ein paar Tage später stellte ich mir dann vor, dass ich eine andere Freundin bin, oder irgendein Mädchen aus irgendeiner Fernsehserie oder Jugendzeitschrift. Nur nicht ich. 
Insgeheim habe ich gehofft, dass, wenn ich einmal erwachsen bin, sich dieses Gefühl auch ändern wird.

Ich saß also in der Klinik und erzählte vom hässlichen Entlein. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ganz vergessen, dass das hässliche Entlein am Ende zum Schwan wurde.

Was ist deine Geschichte?

Wie oft erzählen wir uns selbst, dass wir falsch sind, dass mit uns etwas nicht stimmt, oder etwas nicht richtig ist? Wie oft machen wir uns kleiner, als wir sind und radieren all unsere Besonderheiten aus, damit wir ja nicht auffallen. Wie oft erzählst du dir, dass du falsch bist, dass etwas mit dir nicht stimmt? Wie oft glaubst du, dass du anders bist als alle anderen? Dass du nicht dafür gemacht bist ein leichtes Leben zu haben, oder dich zu freuen oder für ein paar Momente wirklich glücklich zu sein. Und wie oft versuchst du dieses Gefühl mit Alkohol hinunterzuspülen? Wie oft versuchst du, nicht du selbst zu sein und willst dich gar nicht erst im Spiegel betrachten? Wie oft sagst du dir, dass du nicht gut genug bist, dass du nicht schön genug bist, dass du nicht liebenswert bist?

photo credits: unsplash

Aber was wäre, wenn alles richtig mit dir ist? Wenn du vollständig bist? Wenn du gut genug bist? Wenn du völlig ausreichst und wichtig und liebenswert bist? Was wäre dann? Wie würdest du dein Leben dann leben?

Komm mal ein wenig näher! Ja du, komm mal ein wenig näher, ich muss dir etwas ins Ohr flüstern …

Du bist kein hässliches Entlein, du bist der fucking Schwan, Baby! Und jetzt hör endlich auf all das zu glauben, was du dir den ganzen Tag lang erzählst! Hör für einen Moment lang einmal auf, deine eigenen Gedanken zu glauben. Was wäre, wenn du der Schwan bist? Was würdest du dann tun? Wie würdest du dich fühlen? Wie würdest du dich bewegen? Was wäre dann?

Fang heute noch damit an.

Und falls Du Unterstützung auf deinem Weg benötigst und gerne intensive Begleitung in einer kleinen Gruppe hättest, dann melde dich für ein erstes Kennenlerngespräch für das nächste Gruppenmentoring (Start: 16. August) an. Die Plätze sind begrenzt. Anmeldung: https://forms.gle/V939xe9uLkjFjHg47

Falls du lieber anonym bleiben und dein eigenes Temp gehen möchtest, dann ist vielleicht mein 4 Wochen Online Programm das richtige für dich: https://mesober.podia.com/howtostart

Schreibe eine Antwort